trotz allem und so weiter

Collage-Magdalena-Glas-01

Ausstellungsbeteiligung LOVE GAME, Arthur Schnitzler Park Baden
LOVE GAME – Studiernde der Malerei & Grafik an der Kunstuniversität Linz im Dialog mit Arthur Schnitzlers „Das weite Land“.

Die Collage von Magdalena Glas zeigt zwei Männer – die Figuren Natter und Hofreiter – Arm in Arm auf einem Berghang tanzend. Erfüllt von einem ungeheuren Glücksgefühl, fühlen sie sich frei und unbeschwert, halten sich für fast unbesiegbar. Allerdings trügt der Schein, denn im Konflikt zwischen Gefühl und Verstand kommt es weder zu Versöhnung noch zu einem Happy End, sondern letzten Endes zum Mord. Reproduktionen der Collage liegen am Abend der Eröffnung im Bahnhof zur freien Entnahme auf. (Katalogtext)

LOVE-GAME-Magdalena Glas

Ein romantisierter Rauschzustand der Gefühle, voller Trunkenheit tanzen Natter und Hofreiter (*) traumwandlerisch auf einem finsteren Berghang Sirtaki. Erfüllt von ungeheurem Glücksgefühl fühlt sich Hofreiter so frei wie die Schmetterlinge die ihm aus dem Bauch flattern, Schritt für Schritt geht es im Galopp den Berg hinunter. Rundherum nichts als die endlose Weite des Universums, das weite Land der Seele. Ein unruhiges Flackern erfüllt die unzähligen Sterne als Hofreiter übermütig in die Stille ruft Alles kann in die Luft gehen!  Natter schweigt, beobachtet staunend wie Hofreiters Höhenflug am unbarmherzigen Boden der Realität endet, seine plötzliche Metamorphose zum Mörder.

Mich fasziniert dieser Wahn des Zusammengehörens der den Protagonisten in Arthur Schnitzlers weitem Land zum Verhängnis wird. Dieses eigenartige Gefühl für das sie kurzfristig bereit sind bis ans Äußerste zu gehen, alles aufs Spiel zu setzen. Und diese absurde Wendung, dass sich Friedrich Hofreiters eigentliche Absichten ins komplette Gegenteil verkehren: er will beweisen, dass er kein Mörder ist und wird doch zu einem. (Hat er nicht im Glücksrausch leichtfertig gesagt, dass er im Stande wäre, eine Dummheit zu begehen? Dieses Wort muss er auch halten.)

(*) Bei den beiden gezeigten Personen handelt es sich eigentlich um die beiden Hauptdarsteller von Alexis Sorbas, die mich stark an die Charaktere Hofreiter und Natter erinnern. Sowohl im weiten Land als auch in Alexis Sorbas steht die Beziehung zwischen dem intellektuellen Verstandesmenschen Basil (dem korrekten Bankier Natter, dessen Handeln stets kalkuliert zu sein scheint) und dem von Instinkten und Gefühlen geleiteten Lebenskünstler Alexis Sorbas (Hofreiter, der meist extrem emotional reagiert) im Zentrum der Geschichte. Auch in der Handlung gibt es viele Parallelen zu Schnitzlers Werk: wie auch bei Hofreiter und Natter verbindet beide Protagonisten eine geschäftliche Beziehung (allerdings eine Freundschaft statt Feindschaft), es kommt zu einem Selbstmord, zu Lynchjustiz und zu letztendlich tragischen schmerzvollen Liebesgeschichten – und es endet alles in einer Katastrophe.

Es gibt allerdings einen entscheidenden Unterschied: Während sich Alexis und Basil im Anbetracht ihres Ruins und dessen Absurdität lachend in die Arme fallen kommt es bei Schnitzler zu keinem Happy End, wobei sich die Möglichkeit bieten würde:

Friedrich (zieht Natter nach vorn): Ich denke, wir sind uns einig in unserer Ansicht über das Leben, nicht wahr? Zum Totlachen.

LOVE-GAME Magdalena Glas

 

Fotos: Norbert Artner